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Entstehungsgeschichte des Kreises Militsch-Trachenberg

Der Grenzkreis Militsch- Trachenberg war mit 930 Quadratkilometern der größte und landschaftlich schönste der insgesamt 18 Landkreise des Regierungsbezirkes Breslau und mit  48.000 Einwohnern,  also 53 Einwohnern pro Quadratkilometer der am dünnsten besiedelte Kreis von ganz Schlesien. Ein reiner land- und forst- und teichwirtschaftlicher Kreis mit fehlender Industrie. 82 Kilometer der Kreisgrenze waren auch Reichsgrenze zu Polen, der früheren Provinz Posen.

Bodennutzung:

Ackerland     39.674 ha
Gartenland         599 ha
Wiesen          12.830 ha
Weiden            2.408 ha
Obstanlagen        95 ha
Waldland      25.201 ha
Gewässer       6.073 ha

Von Heimat und Ursprung der Militscher

Es war der Piastenherzog Heinrich der III., der dem Ritter Dietrich von Isenburg den Auftrag erteilte, ihm Siedler herbeizuholen.Thüringer und Flamen waren es, die seinem Ruf folgten.Wochenlang waren sie mit ihren schwerden Planwagen unterwegs, dort, wo noch sumpfige überwucherte Wiesen waren, am Rande düsterer Wälder, begannen sie mit der Urbarmachung des Landes.Sie entwässerten die Wiesen und legten Getreidefelder an, argwöhnisch wurden sie von den leibeigenen der polnischen Grundherren beobachtet. Der polnische Adel hatte bislang garnicht daran gedacht, das Land urbar zu machen, sie hielten sich Otternjäger, die in der Bartschniederung, wo es in Massen Fischottern gab, jagten. Aus dem Erlös, der sehr begehrten Felle ließ es sich ganz gut leben. Sehr bald erbauten die deutschen Kolonisten den Ort Trachenberg, dem, genau wie dem in 1130 schon erwähnten Militsch, von Herzog Heinrich III. das Stadtrecht verliehen wurde. Die Hussitte, aus Böhmen einfallend, brannten die Ortschaften mit Ausnahme von Trachenberg, nieder. Not und Elend kam ins Land und wieder hielt man Ausschau nach dem Westen. Man holte neue Siedler heran. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte der Kreis Militsch-Trachenberg sehr zu leiden. Bessere Zeiten kamen erst, nachdem Friedrich der Große in Schlesien mit dem Aufbau begann. Die Lebensader des Kreises Militsch-Trachenberg war die Bartsch. Verstärkt durch zahllose Wasserläufe und Rinnsaale, bahnt sie sich ihren Weg zur Oder, durch saftige Wiesen und dunkle Wälder hindurch. Trotz des Wasserreichtums fehlt es dem Bartschtal aber an natürlichen Seen. Alle die großen Fischteiche, insgesamt 25.000 Morgen, die vor allem zur Weihnachtszeit die schlesischen Karpfen sind künstliche Anlagen. Die rationelle Fischzucht erreichte ganz beträchtliche Ausmaße: Rund ein fünftel der schlesischen Jahresproduktion an Edelfischen und rund ein Zehntel der in Deutschland gezüchteten Karpfen kam aus dem Kreis Militsch. Dass das Wassergeflügel, vor allem Wildenten in diesen Gebieten zahlreich vertreten war, bedarf kaum eines besonderen Hinweises. Bei den großen Wasserjagden wurden manchmal innerhalb weniger Minuten bis zu 100 Enten geschossen. Zu Hause war in der Bartschniederung auch der Storch, den man in unseren Gegenden kaum noch zu Gesicht bekommt. Bei der ausgedehnten Niederungslage des Kreises Militsch- Trachenberg war des Anteil der zum Fruchtanbau genützten Ackers nur gering. Von der gesamten Fläche des Kreises entfielen nur etwa 47 Prozent (10.000ha) auf Wiesen und rund 27 Prozent (25.000ha) auf Waldungen. Wenn auch der Sandboden überwiegt, so gab es dennoch Striche und zwar in der Trachenberger und Prausnitzer Gegend, die sich gut für den Weizen- und Rübenanbau eigneten. In Trachenberg steht (oder stand?) die größte Zuckerfabrik der weiteren umgebung mit einer Höchstleistung von 2 Millionen Zentner Zuckerrüben .

(Teilauszug aus einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung / Deister Rundschau vom 1./2. Juni 1957 )

Der schlesische Kreis Militsch-Trachenberg

Wenn man die Geschichte des schlesischen Landes und der schlesischen Städte verfolgt, stößt man ständig auf den bedeutsamen Satz „ Der Piastenherzog rief deutsche Siedler aus dem Westen in das Land, damit sie es urbar machen und er hat dem deutschen Recht den Weg in den Osten geebnet.“ Das war der Ansatz zur ersten Verbindung zwischen West- und Ostkultur. Wohl ist kaum ein anderer Stelle deutlich geworden, was Kolonisten zu leisten vermochten, als gerade in der Bartschniederung des Kreises Militsch-Trachenberg. Dem Herzog Heinrich ist dafür zu danken, daß das meilenweite Gebiet der Wälder im Urstromtal der Bartsch im Laufe der Zeit in den höchsten Kulturzustand versetzt wurde. Zuletzt waren es die Mustererzeugnisse mit Spitzenleistungen, sowohl in der Wald-, wie auch in der Teich- und Landwirtschaft die deutscher Fleiß – einst von Thüringen und Flamen begonnen- vollbracht hatte. So entstanden in planmäßiger Besiedelungsarbeit aus den düsteren Wäldern durch Rodungen zwischen entwässerten Wiesen und grünenden Saaten an den Ufern der Bartsch neben vielen Dörfern die Städte Militsch, Trachenberg, Sulau und weiter südlich Prausnitz. Mit festgezimmerten Blockhäusern fing es an. Militsch schon 1136 erwähnt, führt den Ritter St.Georg im Wappen, wurde als Kastelanei (Hopfenberg) am Bartschübergang zum Schutze der alten Handelsstraße Breslau-Thorn-Danzig gegründet. Mehrfache Zerstörungen durch Husssiten, Polen, Kosacken und im Dreißigjährigen Kriege bleiben ihr nicht erspart. Darum war die Stadt schon sehr früh zur Wehrhaftmachung gezwungen. Bereits 1550 standen unter dem Freiherrn Wilhelm von Kurzbach 400 Reiter und Fußvolk ständig unter den Waffen. 1630 und 1709 grasierte verheerende Pest.

Das heutige Stadtbild wird außer von dem breitgelagerten Kuppelschloß der Grafen von Maltzan, die 1590 die freie Standesherrschaft Militsch von den Freiherrn von Kurzbach erworben und seitdem in Militsch residiert hatten, markant von der Gnadenkirche und dem wuchtigen Neubau der Ostland – (Ober-)Schule beherrscht. Warum Gnadenkirche? Als  Folge des Dreißigjährigen Krieges wurden die drei protestantischen Kirchen eingezogen. Erst 1709 erhielten die Protestanten ihre Religionsfreiheit durch einen kaiserlichen Gnadenakt zurück. Sie durften sich eine Kirche bauen, die damit eine der sechs schlesischen Gnadenkirchen wurde. Ihr mächtiger Fachwerkbau beherrscht das Landschaftsbild. Bis zu 400 Personen finden in ihr Platz. Dicht vor der Kirche, inmitten schönster Baumgruppen, stand das Denkmal des Fliegerhelden aus dem 1. Weltkrieg, Rittmeiser Freiherr von Richthofen und seiner Kameraden aus dem Ulanen-Regiment Nr. 1 das in Militsch in Garnison lag.

Die Ostland-(Ober-)Schule ist in den Jahren 1927/28 unter dem Patronat des Kreises mit Millionen Mark als geistige Grenzlandbastion erbaut worden. Ein imponierender Bau mit den erforderlichen Schulräumen, einem Direktorenwohnhaus,einer Turnhalle und einem Festsaal. Letzterer diente auch als öffentlicher Versammlungs- und Theaterraum. Wie staunten die Musiker über die technisch vollendete Bühnenanlage mit neuzeitlicher Beleuchtung. Trotz ihres kurzen Bestehens genoss die Ostlandschule einen guten Ruf. Die Schüler wurden nicht nur im Geiste deutschen Volkstums sondern zur Weltoffenheit erzogen, wofür die häufigen Besuche englischer Austauschschüler vor Kriegsbeginn zeugen mögen.

Die Kolonisten waren fleißig am Werk. So entstand neben Militsch bald seine westliche Schwesternstadt Trachenberg an der Bartsch. Herzog Heinrich der III. verlieh ihr 1253 deutsches Stadtrecht. Während die Hussiten, aus Böhmen einfallend, Militsch und andere Städte ringsum durch Brand vernichteten, blieb Trachenberg davon verschont. Aber Hunger und Elend erreichten auch Trachenberg. Um ihnen zu steuern waren neue Maßnahmen notwendig. Wieder wurden Siedler herangeholt. Für Trachenberg, Militsch und Herrnstädt waren es die Freiherrn von Kurzbach. Sie entfalteten eine segensreiche Kulturarbeit. Ihnen soll die große Karpfenzucht zu danken sein. Das schließt man jedenfalls aus deren Wappen mit den drei Karpfen. Später sonderte sich das Gebiet in zwei Teile, in den Militscher und den Trachenberger Anteil. So gingen Trachenberg und Prausnitz 1592 durch Kauf von dem überschuldeten Heinrich III. von Kurzbach an den Freiherrn Adam von Schaffgotsch, allerdings nur für 42 Jahre über. 1634 wurde das Gebiet kaiserliche Domäne, um 1641 an den kaiserlichen Feldherrn, den Grafen Melchior von Hatzfeld, überzugehen. Seitdem waren die rund 60.000 Morgen in der Hand der Familie Hatzfeld. Das Familienhaupt führte den Fürstentitel und seit 1908 auch den Herzogtitel. In dem Schloß des Fürsten von Hatzfeld in Trachenberg in dem Holtei oft und gern als Gast weilte, fand 1813 eine weltgeschichtliche Begegnung statt. Die beiden verbündeten Monarchen von Preußen und Rußland kamen hier mit dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte zusammen, um sich in einem Bündnisvertrag gegen den Diktator Napoleon I. zu wenden. Das „Trachenberger Protokoll“ führte später zum Siege von Leipzig. Eine etwa eineinhalb Meter hohe Bronzetafel am Südflügel des Trachenberger Schlosses, die zur Würdigung dieser historischen Begebenheit im Jahre 1913 geschaffen wurde, erinnert daran. Sie ist von einem Adler gekrönt und trägt die Inschrift: „Am 12.Juli 1813 wurde in diesem Schlosse der Kriegsplan festgestellt, der schließlich zum Siege über Napoleon und zur Befreiung Europas führte. Alle verbündeten Armeen werden die Offensive ergreifen und das Lager des Feindes wird ihr Sammelplatz sein. Anwesend waren König Friedrich Wilhelm III, begleitet vondem Kronprinzen Kaiser Alexander I. Von Rußland, Kronprinz Karl Johann von Schweden, die Generale v. d. Knesebeck, Fürst v. Wolkowsky, von Suchtelen, von Toll, Graf Stedingk, Graf Löwenshelm, die Staatsmänner Freiherr von Hardenberg, Graf Nesselrode, Pozzo die Borga, Graf Stadion, Lord Cathcari, Errichtet 12. Juli 1913. Dieses weltberrühmte Schloß ist 1945 beim Einmarsch der Russen völlig zerstört worden. Das Stadtbild von Trachenberg bestimmen die katholische Pfarrkirche und die im gotischen Stil errichtete evangelische Kirche. Auf dem Ring wurde 1927 die Stausäule von 1693 restauriert, die zwischenzeitlich auf dem „Schinderacker“ stand. Der Volksmund nennt sie das „Schandemändel“.

Über Trachenberg als Musikstadt wäre vieles zu schreiben, ebenso über das Naturschutzgebiet der „Luge“ als Vogelparadies, ferner über den Wildreichtum im herzoglichen Wildpark. Auch die brave Kleinbahn, umwoben von vielen Anekdoten, sei nicht vergessen.

Die drittgrößte kreisangehörige Stadt ist Prausnitz im südlichen Zipfel mit dem selten schönen Rathaus. Wenig mehr als 2.000 Einwohner zählend, scheint Prausnitz älter zu sein als die meisten schlesischen Städte. Schon 1140 bestand in Prausnitz eine Probstei und 1150 wurde die Pfarrkirche zu St. Jakob gegründet. 1287 erhielt Prausnitz das Stadtrecht. Das burgähnliche Rathaus soll im Jahre 1512 erbaut sein. In einer Seitenkapelle der katholischen Kirche wird das kostbare, aus schlesischem Marmor und Alabaster gefertigte Grabdenkmal für den hier beigesetzten , 1658 in Urdof verstorbenen Standesherrn, den kaiserlichen Feldmarschall, Graf Melchior von Hatzfeld, aufbewahrt.

(Neue Deister Zeitung 15.6.1957 S. 8 Der schlesische Kreis Militsch-Trachenberg, Grenzland zwischen Wäldern und Karpfenteichen / von Johannes Anders, Springe)

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Das Gebäude des Landratsamtes Militsch Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Kreisverwaltung war unter der Bezeichnung Landratsamt bekannt.  Ab 1915 war das Landratsamt im neuen Kreishaus in der Trebnitzerstraße in Militsch (an der Ausfallstraße nach Breslau) untergebracht. Das Kreishaus war kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges vollendet worden.                                                                           Unter der Kreisinstanz mußten zwei verschiedene Verwaltungen verstanden werden. a) die landrätliche oder staatliche Verwaltung (Landratsamt)       b) die Kreisausschuß- oder komunale Verwaltung (Selbstverwaltung) Die doppelte und uneinheitliche Gliederung war dem Laien zumeist fremd. Er kannte nur das Landratsamt.

Der Landrat als Staatsbeamter war zugleich der Vorsitzende des Kresiausschusses und des Kreistages, also der Kreisselbstverwaltungskörperschaften. Durch diese Organisation sicherte sich der Staat die wirksamste Aufsicht in der Selbstverwaltung des Kreises, da sein eigener Beamter, der Landrat, ihm für die Geschäftsführung und die Beschlüsse Rechenschaft leisten musste.                                                                    

(aus dem Heimatbuch 1965 S.29/30)                                                                                     

 

Bürgermeister (1909 -1919) und Landrat (1919 – 1933 ) von Militsch

Hermann Gotthard Sperling

 

Sein Name und seine in Stadt und Kreis Militsch geschaffenen Werke bleiben unvergessen. 1909 wurde er Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Haupt in Militsch (dieser war von 1893 bis 1908 der tätige Bürgermeister von Militsch). Hermann Sperling kam vom Magistrat der Stadt Breslau, dort hat er das Rüstzeug für seine Arbeit als Stadtoberhaupt erworben. In seiner 10 jährigen Amtszeit von Militsch hatte er die städtischen Finanzen geordnet, meherere kommunale Verbesserungen durchgeführt, wozu u.a. der Bau des städtischen Krankenhauses und des Wasserwerkes gehörten. Auch die Schwimmanstalt (1910) war sein Werk, er war auch (1912) Gründer des Schwimmvereins Militsch.

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Landrat Sperling

Wie keiner mehr nach ihm verstand er sich mit dem Offizierskorps der Garnision, der damaligen 1. Ulanen und schuf dadurch die denkbar beste
Atmospähre zwischen Stadt und Garnison. So hat Bürgermeister Sperling es verstanden, das Verhältnis zwischen Stadt und Garnison sehr innig zu gestalten, was wesentlich dazu beigetragen haben dürfte, dass Militsch nach 1918 noch Garnisonsstadt blieb. 1919 wurde er mit nachfolgender staatlicher Bestätigung zum Landrat des Kreises Militsch gewählt. Eine Reihe hervorragender Landräte war ihm vorangegangen, was für ihn Veranlassung war, ihnen nachzueifern. Schon bald zeigten sich die ersten Früchte seines Fleißes. Es sei daran erinnert, dass die Siegermächte in Spaa beschlossen hatten, unser Kreisgebiet nördlich der Bartsch an das neugebildete Polen abzugeben. Diese Gefahr entzündetet seinen nationalen Zorn, den er in nächtlichen Massen-Protestkundgebungen auf die gesamte Kreisbevölkerung zu übertragen vermochte. Landrat Sperling gründete und leitete eine Arbeitsgemeinschaft aller Landräte zur nationalen Wachsamkeit und zur Abwhr drohender slawischer Unterwanderung. Zahlreiche Graphiken und Broschüren, in denen die blutende Grenze dokumentarisch nachgewiesen war, trugen seinen Namen. Nichts blieb unversucht, das Deutschtum im Grenzland zu sichern und zu festigen. Unterstützt durch diese in alle Welt hinausgeschieenen Proteste und dank seines Verhandlungsgeschickes blieb der Kreis Militsch ungeteilt. Doch damit war es nicht getan! Das Posener Nachbarland war verloren. Das brachte wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten. Es galt, sich dagegegn gemeinschaftlich zu wehren. Da war es wieder Landrat Sperling, der alle Kreise rechts der Oder zur Arbeitsgemeinschaft zusammenfasste und diese mit neuer Initiative erfüllte. In mehreren Memoranden und vielen Rundfunkvorträgen schilderte er immer wieder die Not der schlesischen Grenzgebiete. Entsprechend dieser Grenzlandlage mussten geistige Bastionen gegenfremdes Volkstum geschaffen werden. Darum galt sein Eifer erstrangig dem Schulhausneubau und der Pflege des deutschen Volkstums. Es spricht für seinen Einsatz, wenn allein im Jahre 1930 die Schulhausneubauten in Freihufen, Neubarnitz, Rackelsdorf, Rudolfsdorf und Wildbahn eingeweiht werden konnten. Zahlreiche weitere Schulhäuser auf den Dörfern wurden in dieser Zeit in ihrem baulichen Zustand überholt und den inzwischen eingetretenen Entwicklungen im Schulwesen in jeder Hinsicht angepasst Vorbildlich wurden in diesr Zeit die Knaben- und Mädchen-Berufsschulen. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Schmidt errichtete er die Landwirtschaftsschule in Trachenberg, eine Einrichtung, die sich über unser Kreisgebiet hinaus eines guten Rufes und regen Zuspruches erfreute. Sein ganz besonderes Werk ist aber die Ostlandschule in der Kreisstadt Militsch, die auch die Frucht ist aus den beklagenswerten Auswirkungen des Versailer Friedensdiktates, nämlich als Ersatz für zahlreiche verlorene kulturelle Bildungsstätten in den Landesstellen der früheren Provinz Posen. Im Zuge der Anerkennung als notleidendes Grenzlandgebiet war der Kreis Militsch als einer der ersten preußischen Kreise, der das höhere Schulwesen in sein eigenes Aufgabengebiet einbezog. Reich und Staat haben nicht nur den imposanten Neubau der Ostlandschule mit beträchtlichen Zuschüssen gefördert, sondern sie beteiligten sich auch an den laufenden Unterhaltskosten. Diese und andere schöne Erfolge aus seiner Wirksamkeit im Kreis Militsch müssen gerechterweise erwähnt werden. Unter den umwälzenden politischen Bedingungen mußte Landrat Sperling 1933 (Machtübernahme durch Hitler) seine Tätigkeit in Militsch beenden. Landrat Sperling fand jekeinen Kontakt zu den Nationalsozialisten und das bedeutete, dass er 1933 – noch im besten Schaffenseifer und – alter seinen ihm in 24 Erfolgsjahren lieb gewordenen Posten im Kreis Militsch verlassen musste, verständlich das es ihn schmerzte. Er verließ mit seiner treuen Gattin Martha die Kreisstadt und siedelte in seine Geburtsstadt Wiesbaden über. Der Entschluß mag ihm nicht leichtgefallen sein, er wurde aber von seinen Freunden gutgeheißen, die ihm unverdienten Undank ersparen wollten. Es war damals nicht möglich, seine Verdienste öffentlich oder publizistisch zu würdigen.

Doch nach der Heimatvertreibung gelang es ihm, sein ganzes Interesse wieder von seinen ehemaligen Landsleuten zurückzugewinnen. Heute wissen wir, dass wir mit ihm einen unserer besten Förderer verloren hatten als er am 19. April 1963 verstarb. Der Name Hermann Sperling bleibt mit der Geschichte des Kreises Militsch-Trachenberg eng verbunden.

MTKS Nr. 56 /1958 S.3 Nr. 115/1963 S.8 117/1963 S.7 Nr. 4/93 S.14 Nr. 5/98 S.14

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